Auftaktveranstaltung zur Ausstellung „Spitzen des Art Déco. Porzellan im Zackenstil“, Grassi Museum für Angewandte Kunst, 09. November 2019

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Die Pfeilerhalle des Grassi Museums verfügt insgesamt über 36 horizontal gegliederte Vitrinen, die direkt in die Pfeiler eingelassen sind. Ihre Bestückung ringe den Kuratoren manches Mal einiges ab, so Olaf Thormann, Direktor des Museums. Denn dieser „schönste Art Déco-Saal Deutschlands“, der den Zeitgeist der zwanziger Jahre in Reinform verkörpere,  sei sehr speziell. Und bereits ohne Exponate ist er tatsächlich ein ästhetisches Großereignis.

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Die 400 Stücke, die seit Samstag in den Vitrinen präsentiert werden, entstanden alle zur selben Zeit wie die Pfeilerhalle. Es sind Art Déco-Objekte aus Porzellan im Zackenstil, darunter Mokkatassen, Vasen, Deckeldosen, Service und Sammelgedecke. Sie entstammen drei verschiedenen Hamburger Privatsammlungen, wurden für die Schau erstmals durchmischt, korrespondieren untereinander und mit dem Raum auf’s Vortrefflichste. Leuchtendes Blau, das Dunkelrot und sehr viel Gold durchziehen das so entstandene Gesamtkunstwerk.

Prof. Dr. Peter W. Schatt, einer der drei Sammler, wendet sich nach seinem Vortrag ermunternd an das Publikum: „Wenn Sie zuhause ein Objekt haben sollten, das sie an etwas aus unseren Sammlungen erinnert, zögern Sie bitte nicht uns anzusprechen.“ Mehr oder weniger leergekauft sei der Markt, zumal die Porzellane im Zackenstil nur über einen sehr kurzen Zeitraum und in Kleinstserien hergestellt wurden – von 1918 bis in die frühen 30er Jahre. Und nicht jede Manufaktur machte mit. So fehlen KPM und Meißen. Die Ausstellung ist noch bis zum 11. Oktober 2020 in der Pfeilerhalle zu erleben.

 

Leipziger Marktplatz, 07. November 2019

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„Fichte da, wunderbar“ titelt ein Leipziger Boulevardblatt und begrüßt damit den 20 m hohen Baumriesen, erster Vorbote des diesjährigen Weihnachtsmarktes. Aus dem Vogtland wurde er herbeigeschafft. Nun fehlen noch die Lichter, wird das Pflaster wiederhergestellt, damit zur Eröffnung am 26. November alles passt. Derzeit denkt der Passant jedoch eher an Waldsterben, Steinewerfer und die Produktionsstätten von rot-weißem Flatterband – wen wundert’s…

Lukas Bärfuss in Leipzig, 04. November 2019

Zwei Tage, nachdem Lukas Bärfuss den renommierten Georg-Büchner-Preis erhalten hat, liest er in Leipzig. Die Veranstaltung des Dezernats Kultur und des Vereins Literaturhaus Leipzig knüpft an eine Tradition an, die bis in die 90er Jahre zurückreicht und zwischenzeitlich aus unbekannten Gründen abgebrochen war. So ist die Liste derjenigen Georg-Büchner-Preisträger, die in Leipzig zu Gast waren, lang.

Thorsten Arendt, seit Dezember neuer Leiter des Literaturhaus Leipzig, nennt sie im Rahmen seiner Begrüßung und betont, es sei eine besondere Auszeichnung, daß Lukas Bärfuss als vergleichsweise junger Autor den Preis erhalten habe. Geehrt wird immer das Gesamtwerk. Die herzliche und vertraute Stimmung zwischen Arendt und Bärfuss, die rasch auf den gut gefüllten Saal überspringt, wird durch den Moderator Frieder von Ammon aufgelöst: Arendt ist seit Anbeginn der Lektor von Lukas Bärfuss.

Verhindert ist an diesem Montagabend die Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, weshalb der Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning das Willkommen der Stadt überbringt. Er verweist auf den Ort der Lesung – den ehrwürdigen Saal des Alten Rathaus – und schlägt die Brücke zu Woyzeck, die Hauptfigur in Georg Büchners gleichlautendem Drama. 1824 wurde Woyzek auf dem Leipziger Marktplatz hingerichet. Doch schon werden die Zuhörer etwas unruhig. Alle warten auf die Lesung von Lukas Bärfuss.

Hocherfreut und etwas verlegen tritt er schließlich an’s Pult. Sein Kopf sei rot, so viel sei er gerade gelobt worden. Man könne das Licht nun eigentlich ausschalten, so leuchte sein Kopf. Er liest aus dem Erzählungsband „Malinois“, der Erzählungen aus 20 Jahren versammelt.

Das Gespräch mit Frieder von Ammon erläutert die Recherchen von Lukas Bärfuss, die seiner Rede anlässlich des Büchner-Preises vorausgegangen waren. Er verdeutlicht die Verbindung zwischen Kurt Biedenkopf – dem ersten Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen nach dessen Neugründung – und seinem Schwiegervater, dem Industriellen Fritz Ries. Dieser stand erst in Goebbels, dann in Adenauers Diensten. Eine Entnazifizierung habe doch gar nicht stattgefunden und über die aktuellen Ereignisse, die politischen Verwicklungen brauche sich niemand zu wundern. Es sei nicht neu, so Bärfuss.

Zum Schluß wird signiert und Wein getrunken, den die Leipziger Buchhandlung Grümmer gestiftet hat. Lukas Bärfuss schließt den Abend und sagt: „Montag und Leipzig – das geht irgendwie immer gut zusammen.“

Kunstmesse Leipzig – art fair, Kongreßhalle Leipzig, 01. November 2019

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Veranstalterin der Kunstmesse Leipzig ist Alesia Elian, die auch als Kuratorin fungiert und selbst ausstellt. Weitere 31 Einzelkünstler, vier Galerien und vier Projektgruppen versammelt die Messe für zeitgenössische Kunst. Zum fünften Mal findet sie statt und stolze 8,50 Euro kostet ein Tagesticket. Neu ist der Standort: die 1900 errichtete Kongreßhalle am Zoo, das ehemalige Gesellschaftshaus des Zoos.

Eine  kleine Koje kostet den Aussteller 1495 Euro. Für 30 qm sind schon 4485 Euro einzuplanen. Dicht an dicht zeigen sich nun vielfarbige Malereien, Photokunst, manche Skulptur, einige Reliefs – insgesamt ein lautes Potpourri, das sich mit dem ehrwürdigen Großen Saal nicht verbinden kann. Aussteller und Veranstalter sind in engagiertem Gespräch. Nur das Wichtigste bei einer Verkaufsmesse fehlt: die Besucher – immerhin in diesem Fall auch potentielle Kunden.

Ist die Werbung schuld? Die ausliegende Postkarte fordert auf: „Wenn Du Kultur nicht nur aus dem Joghurt kennst, komm zur Kunstmesse Leipzig.“ Vielleicht liegt es auch einfach nur am Regenwetter. Noch bis zum 03. November kann die Messe besucht werden.

Preview GRASSIMESSE LEIPZIG 2019, GRASSI Museum für Angewandte Kunst, 24. Oktober 2019

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1920 fand die erste Grassimesse statt. Bereits damals war sie Kunstausstellung und Verkaufsmesse in einem. Zeitgenössische Künstler, Kunsthandwerker und Designer konnten entdeckt und alle Kunstobjekte und Produkte auch käuflich erworben werden. Die historischen Grassimessen gingen als „Treffpunkt der Moderne“ in die Geschichte ein. An diese Tradition knüpft die 1997 neu gegründete Messe an, die jährlich am letzten Oktoberwochenende im GRASSI Museum für Angewandte Kunst stattfindet.

Nach der Preisverleihung der GRASSIPREISE erscheinen wir zur Preview und sind überrascht. Die GRASSIMESE LEIPZIG 2019 bietet deutlich mehr Programm als in den Vorjahren: 100 internationale Aussteller und Hochschulen, ein Fokus auf Chinas Keramikzentren und die begleitende Ausstellung „Schmuck als Kunst der Nachhaltigkeit“ in der historischen Pfeilerhalle.

Der Verkaufstresen des stadtbekannten „Chinabrenner“ leuchtet schon von Weitem und belebt die Eingangssituation in angenehmer Weise.

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Neu ist zudem das Repertoire. Wir sehen völlig neuartige Materialien. Das „Büro Famos“ nennt eine in Formen gegossene zuckerartige Masse „Pate de Verre“, die – bunt eingefärbt – zusammen mit Glas zu bewundern ist. Bettina Kletzsch, die das Modehaus ihrer Ururgroßeltern neu interpretieren möchte, zeigt handbedruckte Socken, deren Muster sie Plastikverpackungen von Wurst und Käse entlehnte. Geschmackvolle Gartengeräte finden gleich vor Ort dankbare Abnehmer, die bedauern, mit dem Einsatz noch bis zum nächsten Frühjahr warten zu müssen. Doch das schönste Exponat des Abends sind sicherlich die Schneebälle, mit denen wir am liebsten manch‘ kitschige Keramikschale zu Fall bringen möchten.

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(smow) lädt zur Präsentation der Designliege „moon“, 10. Oktober 2019

 

Der interdisziplinären Forschungsgruppe für Materialgerechtes Entwerfen und Konstruieren mit faserverstärkten Kunststoffen (FOMEKK) an der Bauhaus-Universität Weimar, deren Mitglied Dr. Pamela Voigt war, verdankt sich ihre Begeisterung für Kunststoffbauten. Die Entwicklung setzte in den fünfziger Jahren ein und hatte ihren vorläufigen Höhepunkt in den Sechzigern. Prominentestes Beispiel ist sicherlich der „Futuro“ von Matti Suuronen aus dem Jahr 1968, noch heute in München zu besichtigen.

Die Pioniere des Kunststoffbaus, Buckminster Fuller, Heinz Hossdorf oder Heinz Isler, fanden medial viel Beachtung, kamen bei ihren Entwürfen in der Regel über Prototypen oder Kleinstserien jedoch nicht hinaus. Und spätestens nach dem Ölpreisschock in den siebziger Jahren waren die Produktionskosten für glasfaserverstärkten Kunststoff einfach zu teuer geworden.

Mit 6700 Euro ist die Designliege „moon“ ebenfalls kein Schnäppchen. Wer Voigts Ausführungen von der ersten Idee bis zum finalen Herstellungsprozess verfolgt, findet den Preis in Anbetracht der langen Entwicklungsdauer, erforderlicher Prototypen und zahlreicher Tests – noch dazu mit Untergestellen und Materialien – durchaus gerechtfertigt. Beim Verkauf von zehn Liegen wären die Entwicklungskosten wieder eingespielt.

Im Inneren der „moon“ liegt es sich geborgen und kuschelig. Nur das Aufstehen fällt schwer. Die Designliege ist derzeit bei (smow) ausgestellt und kann getestet werden.

 

Konzert mit der koreanischen Sologeigerin Ji-Hae Park, Leipziger Nikolaikirche, 09. Oktober 2019

 

Am 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution lädt die „Stiftung Friedliche Revolution 89“ zum kostenfreien Konzert in die Leipziger Nikolaikirche ein. Stargast ist die koreanische Sologeigerin Ji-Hae Park, die Werke von Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel u.a. auf ihre eigene Weise interpretiert – in diesem Falle modern.

Park, am Vortag erst eingetroffen, freut sich ganz besonders, in Leipzig zu sein. Begeistert sagt sie: „Die Hauptsache ist, ich spiele heute hier, wo alles angefangen hat.“ Musikalisch möchte Park über Korea reden, mindestens 100 Menschen gewinnen, die mit ihr zusammen alles Gute für Korea wünschen und sich gemeinsam zur Landschaftstour nach Korea aufmachen.

Wie das mit der Lichtinstallation von Victoria Coeln, den Bässen aus der Box und einer überaus quirligen Ji-Hae Park zusammengeht, erleben die Besucher ab 21 Uhr in der gut gefüllten Nikolaikirche.

Auf dem Augustusplatz werden derweil weitere Kerzen entzündet und die 89 bestaunt, welche die beleuchteten Fenster des Uniriesen bilden – mittlerweile ein Klassiker im Rahmen des Lichtfestes, das im Jahr 30 nach der Friedlichen Revolution federführend die Leipziger Tourist- und Marketinggesellschaft organisiert.