Karen Duve liest aus „Fräulein Nettes kurzer Sommer“, Buchhandlung Lehmanns , 8. November 2018

Eintrittskarte

Karen Duve, geboren 1961, gehört zu meinen großen Heldinnen. „Dies ist kein Liebeslied“ aus dem Jahr 2002 ist unerreicht: die präzisen Beschreibungen der Nöte und Wirrungen der Hauptfigur, der liebevolle Blick auf ihre unerwiderten Gefühle und ihre unaufhörlichen Selbstbefragungen. Einfach und pointiert schreibt sie und oft gepaart mit einem ironischen Unterton.

2010 Bilder im Rahmen einer Talkshow: Karen Duve als Tierschützerin, als Aktivistin im Hühnerstall, die nachts Tiere befreit und einen weißen Schutzanzug trägt, wie ihn auch Tatortreiniger und Kammerjäger bevorzugen. Sie schaut kampfeslustig in die Kamera. Mich stößt das ab, weshalb ich ihr Buch „Anständig essen. Ein Selbstversuch“ gar nicht erst lese. Nichts will ich darüber erfahren, wie sie sich ernährt hat.

„Fräulein Nettes kurzer Sommer“, ihr neuer Roman, beschreibt etwas mehr als ein Jahr im Leben der Annette von Droste-Hülshoff. Zwei Jahre lang recherchierte Karen Duve anhand zahlreicher Quellen die historischen Hintergründe und das Umfeld. Sie verließ kaum das Haus, auch weil sie ihre sterbenskranken Hunde pflegen musste. Einer der beiden, Higgins, fand unter anderem Namen Eingang in den Roman. Ansonsten hat sie nur wenig dazu erfunden.

Das alles erzählt Karen Duve im Anschluss an ihre Lesung mit großer Begeisterung und sagt auch, dass ihre Recherche ohne die Vorzüge des Internets nicht möglich gewesen sei. Das reiche Material war es schließlich auch, das sie dazu bewog, diesen biographischen Roman zu verfassen, der zunächst nicht geplant war.

Besonders fasziniert, dass Duve in ihrer lakonischen Art die Geschehnisse aus heutiger Perspektive erzählt: erste Annäherungsversuche Heinrich Straubes, des späteren Galans von Annette von Droste-Hülshoff, ihren verwachsenen Körper, das beschwerliche Reisen mit der Kutsche, bei dem ein verbundener Kopf, ein Armbruch oder auch Nasenbluten keine Seltenheit waren, die corpsstudentischen Gepflogenheiten, die romantischen Verklärungen und natürlich das Aus- und Eingehen der Brüder Grimm. Über 500 Seiten versprechen großes Lesevergnügen.

 

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