Robert Seethaler liest aus „Das Feld“, Literaturhaus Leipzig, 14. November 2018

RS

Was passiert, wenn ein introvertierter Autor auf gut gemeinte Fragen einer Literaturkritikerin kaum zu antworten weiß? Das Publikum erlebt dies schmerzvoll mit: Robert Seethaler biegt mit gesenktem Blick eine Büroklammer auseinander und fummelt immer wieder an ihr herum. Das Skript liegt auf dem Tisch.

Er findet einfach keinen Draht zu Wiebke Porombka, die einerseits gut gelaunt und vorbereitet erscheint, andererseits im Gespräch wie ein tollpatschiger Trampel auftritt. Ihre Idee der „Literatur als Trost“, ihre auswendig gelernten Fragen und biographischen Bezüge treffen einfach nicht den Nerv. Ein Miteinander kommt nicht zustande.

Die Stücke, die Seethaler liest, sind hingegen großartig. Es sprechen die ehemaligen Bewohner der fiktiven Paulstadt, die auf ihr Leben zurückblicken – auf ihre Lieben, ihre Versäumnisse, besonders schöne Momente.

Wiebke Porombka gibt schließlich auf. Eine Weile noch versucht sie, das kleine Mädchen mit dem koketten Augenaufschlag zu geben. Doch auch hier scheitert sie. Am Ende nimmt Seethaler sie kameradschaftlich in den Arm. Das Publikum atmet auf – puh, endlich geschafft!

Nicht jedem Autor liegen Lesungen.

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