Ein Abend im Pekar, 08. März 2019

pekar

Freitagabend 19.30 Uhr: Das Pekar in der Nähe des Lindenauer Marktes ist brechend voll. Wir sind zu viert, zwei Kinder und zwei Erwachsene. Im Sommer waren wir einige Male dort und hatten mit Glück einen der begehrten Tische ergattert, teilweise sogar im Freien. Nun hatten wir sicherheitshalber reserviert, was unbedingt zu empfehlen ist. Denn schon lange ist der Laden kein Geheimtipp mehr. Die knusprigen Pizzen und die entspannte Atmosphäre haben sich herumgesprochen. Unsere Vorfreude ist entsprechend groß.

Der uns zugewiesene Tisch befindet sich leider nicht im zentralen Gastraum, sondern um’s Eck in einer Rumpelnische. Zwei Tische sind auf engem Raum hintereinander angeordnet und teilen sich eine lange Bank. Gegenüber reichen die Schaufenster bis zum Boden. Die Wand hinter uns zeigt einen Jungen in poppigen Farben, der sich ein Stück Pizza in den Mund schiebt. Der Käse zieht Fäden. Auch uns läuft das Wasser im Munde zusammen.

Unsere Tischnachbarinnen picken bereits verzückt Blattsalat und teilen sich dazu eine Pizza mit viel Grün. Schnell kommen wir in’s Gespräch. Das ist Pizza „Rosie“ mit Ricotta und Rosenkohl und schmecke vorzüglich. Immer mal wieder schauen wir aus unserer Nische heraus: Die große offene Küche des Pekar, das Sammelsurium an schlichten Stühlen und Tischen und die vielfarbigen Leuchten, die jungen Familien, eine Seminargruppe, die Polaroids schießt, das flirtende Paar und eine Bedienung sehen wir von unserem Platz aus nicht.

Zwanzig Minuten später kommt eine Servicekraft strahlend zu uns und entschuldigt sich erst einmal. Es sei heute einfach wahnsinnig voll und es tue ihr leid. So viel Offenheit und Freundlichkeit stimmen uns versöhnlich. Sie gibt uns die hübsch gestalteten Speisekarten und verspricht, bald wiederzukommen. Wir lesen: „Unsere Karte wandelt sich im Laufe der Anbausaison. Frisches Gemüse bekommen wir von der Annalinde Gärtnerei in Lindenau, dem Biohof Hartmut Müller sowie Frau Müller aus Pegau. Unser Mehl wird in der Mühle Engelsdorf gemahlen und Rindfleisch liefert uns Bischof Barthel. Kaffee erhalten wir von der Brühbar Leipzig. Über Patrice von Leipspeise beziehen wir Salz aus der Natursole Halle und regionales Öl. Bei anderen Produkten greifen wir auch auf konventionelle Erzeuger zurück.“ Das hört sich gut an.

Als Hauptspeise gibt es ausschließlich Pizzen, zwei davon als saisonales Angebot, zudem „sharing plates“ mit viel Gemüse, Salat oder Fleisch als mögliche Vorspeisen sowie „sides“ – zu denen auch frittierte Kartoffeln und Zwiebelringe gehören.  Wir wählen vorneweg „Wild Tacos“, angekündigt als Leipziger Dammwild, Maispolenta, Zuckerhut-Salat, Mexican Cream und Salsa, sowie Beef en Croute, Geschmortes Rind, Frischkäse und Kräuter-Salsa. Danach möchten auch wir als Hauptgang „Rosie“ – den Damen am Nachbartisch gleich, für die Kinder Pizza Margherita und eine Pizza Prosciutto e Funghi mit Panitzscher Kochschinken. Die Regionalität macht einfach Spaß.

Ein Gutmann Hefeweizen, ein Riesling von Fußer und Oranginas sind schnell bestellt und versüßen uns die Wartezeit, die wir uns zudem mit einem der ausliegenden Bildbände vertreiben wollen. Der Magen knurrt. „Der Süden Italiens“ und „Amerikanische Limousinen“ sind nach einer guten Stunde durchgearbeitet – doch immer noch kein Essen in Sicht. 70 Minuten warten wir auf die Bestellung und erhalten schließlich alles gleichzeitig.

So fällt es auf, daß das umrahmende Teigmäntelchen für die „Wild Tacos“ der selbe Teig wie der der Pizza ist. Dennoch: Die Pizzen sind vorzüglich, umwerfend, der Boden hauchdünn. Die Kinder mögen allerdings die Ränder nicht essen und legen sie auf dem Brett ab. Dieses ist rasch geleert, denn die Tacos schmecken luftig und frisch. Das Geschmorte Rind der zweiten Vorspeise ist ebenso fein. Weniger Frischkäse hätte dem Fleisch sein Aroma gelassen. Wir kämpfen, um eine zweite Runde Getränke zu bestellen. Neue Servicekräfte werden parallel eingearbeitet. Das Dessert – warme Birne mit Schokoladensoufflé und gehackten Haselnüssen – bekommen wir wegen der langen Wartezeit zwei Mal gratis – eine freundliche Geste in Anbetracht des außergewöhnlichen Abends.

Betroffen entschuldige ich mich beim Abräumen für die abgeknabberten und zusammengeschobenen Pizzaränder der Kinder. Doch unsere Bedienung lacht charmant. Das kenne sie schon. In der Küche nennen sie das den „Knochenfriedhof“. Er komme öfter vor. Fazit des Abends: Das nächste Mal bei der Tischreservierung darauf hinweisen, dass man im großen Raum sitzen möchte. Mit kleinem Hunger kommen und Zeit mitbringen. Der warmherzige – wenn auch nicht schnelle – Service und die Qualität des Essens überzeugen absolut. Auch das Preis-Leistung-Verhältnis stimmt. Mit 11 Euro ist „Panthera Pizza“ mit Barthel Sucuk, Paprika-Pickels und roten Zwiebeln das teuerste Gericht auf der Karte.

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