Lukas Bärfuss in Leipzig, 04. November 2019

Zwei Tage, nachdem Lukas Bärfuss den renommierten Georg-Büchner-Preis erhalten hat, liest er in Leipzig. Die Veranstaltung des Dezernats Kultur und des Vereins Literaturhaus Leipzig knüpft an eine Tradition an, die bis in die 90er Jahre zurückreicht und zwischenzeitlich aus unbekannten Gründen abgebrochen war. So ist die Liste derjenigen Georg-Büchner-Preisträger, die in Leipzig zu Gast waren, lang.

Thorsten Arendt, seit Dezember neuer Leiter des Literaturhaus Leipzig, nennt sie im Rahmen seiner Begrüßung und betont, es sei eine besondere Auszeichnung, daß Lukas Bärfuss als vergleichsweise junger Autor den Preis erhalten habe. Geehrt wird immer das Gesamtwerk. Die herzliche und vertraute Stimmung zwischen Arendt und Bärfuss, die rasch auf den gut gefüllten Saal überspringt, wird durch den Moderator Frieder von Ammon aufgelöst: Arendt ist seit Anbeginn der Lektor von Lukas Bärfuss.

Verhindert ist an diesem Montagabend die Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, weshalb der Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning das Willkommen der Stadt überbringt. Er verweist auf den Ort der Lesung – den ehrwürdigen Saal des Alten Rathaus – und schlägt die Brücke zu Woyzeck, die Hauptfigur in Georg Büchners gleichlautendem Drama. 1824 wurde Woyzek auf dem Leipziger Marktplatz hingerichet. Doch schon werden die Zuhörer etwas unruhig. Alle warten auf die Lesung von Lukas Bärfuss.

Hocherfreut und etwas verlegen tritt er schließlich an’s Pult. Sein Kopf sei rot, so viel sei er gerade gelobt worden. Man könne das Licht nun eigentlich ausschalten, so leuchte sein Kopf. Er liest aus dem Erzählungsband „Malinois“, der Erzählungen aus 20 Jahren versammelt.

Das Gespräch mit Frieder von Ammon erläutert die Recherchen von Lukas Bärfuss, die seiner Rede anlässlich des Büchner-Preises vorausgegangen waren. Er verdeutlicht die Verbindung zwischen Kurt Biedenkopf – dem ersten Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen nach dessen Neugründung – und seinem Schwiegervater, dem Industriellen Fritz Ries. Dieser stand erst in Goebbels, dann in Adenauers Diensten. Eine Entnazifizierung habe doch gar nicht stattgefunden und über die aktuellen Ereignisse, die politischen Verwicklungen brauche sich niemand zu wundern. Es sei nicht neu, so Bärfuss.

Zum Schluß wird signiert und Wein getrunken, den die Leipziger Buchhandlung Grümmer gestiftet hat. Lukas Bärfuss schließt den Abend und sagt: „Montag und Leipzig – das geht irgendwie immer gut zusammen.“

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