Premiere „Das Vorspiel“ im Passagekino, 15. Januar 2020

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Ein roter Teppich markiert den Eingang in den Kinosaal. Zusätzliche Absperrungen sorgen dafür, dass Regisseurin Ina Weisse und der Star des Abends, die Hauptdarstellerin Nina Hoss, rasch an Ort und Stelle sind. Denn Zeit haben die Beiden kaum. 90 Minuten später werden sie zur nächsten Premiere in Halle erwartet.

Das angekündigte Filmgespräch findet deshalb bereits vor dem Film statt. Entsprechend allgemein sind die Fragen der bemühten Gastgeberin und des irritierten Publikums. Banal plätschert es dahin. Im Film gehe es um eine Geigenlehrerin, die einen Jungen fördere, einen Ehemann habe sie auch und einen Liebhaber – so viel muss Ina Weisse vorab verraten. Nina Hoss habe Geigenunterricht genommen, da sie noch nie zuvor gespielt habe. Ein Handdouble kam schließlich zum Einsatz. Weisse nennt Drehorte, auch das Café Hentschel am Markt in Halle. Hoss antwortet auf die Frage, ob die Figur der Geigenlehrerin etwas mit ihr gemacht habe und sie danach eine andere geworden sei, in etwa: „Na ja, jede Rolle verändert mich irgendwie und macht etwas mit mir, diese sei besonders spannend gewesen.“ Ach ja?

Schade, dass die Regisseurin nach dem Film nicht zu sprechen ist. Gerne hätten wir ihr gesagt, dass Nina Hoss in den Filmen von Christian Petzold großartig ist. Weisses plumpes Drehbuch hingegen ist ein unnötiges Etwas, vermutlich sogar ein Ärgernis – zu offensichtlich die Zugeständnisse an existierende Fördermöglichkeiten: der französische Ehemann der Geigenlehrerin, ihre bilinguale Ehe samt Erziehung des Kindes – Motive, die zum Rest der Story nicht recht passen wollen, in Anbetracht der hohen Fördersumme der Deutsch-Französischen Förderkommission jedoch plausibel. Gleiches gilt für die Schauplätze in Berlin (Förderung durch das Medienboard Berlin-Brandenburg) und in Halle (Mitteldeutsche Medienförderung). Krampfhaft müssen auch diese Orte zusammengebracht werden und verschwinden letztlich in gesichtsloser Beliebigkeit. Für eine stimmige Wohnungskulisse reichte das Budget dann anscheinend gar nicht mehr. Immerzu schauen wir auf langweilige Ikea-Regale als Hintergrund, die uns an Studentenwohnungen der frühen 90er erinnern.

Was für eine vertane Chance: ein schlechter Film mit einer tollen Hauptdarstellerin! Nina Hoss hätten wir bessere Drehbedingungen gewünscht.

 

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