Ein Besuch bei SUPERFOODZ, 31. März 2020

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Viele Jahre hat Lilli Pätow Existenzgründer beraten und Businesspläne erstellt. Als sie selbst unerwartet köstliche Smoothies, Shots und Bowls probierte, war ihre Geschäftsidee geboren: so etwas Gesundes braucht Leipzig auch! Mit Standortanalyse und BWL im Gepäck, kaufte sie die Rezepte der Juicery in Berlin und eröffnete acht Monate später das freundliche Ladenlokal SUPERFOODZ.

Den Tresen im Fenster, Regal und Counter baute eine Tischlergemeinschaft aus dem Westwerk. Auch sonst wird Wert auf Lokales gelegt: Die Zutaten kommen ausschließlich von Biounternehmen aus dem Umland, der Kaffee aus der Brühbar. Zusätzlich werden Obst und Gemüse mit frisch gefiltertem Wasser abgewaschen.

In fünf Schritten kann sich der Gast seine warme Bio-Bowl für Euro 7,90 selbst zusammenstellen. Vor seinen Augen werden auf Basis von Basmati Vollkornreis, Quinoa oder Zucchini-Spiralen die Mix-Ins ergänzt – Rote Beete, Linsen, Süßkartoffel, Ananas und Brokkoli beispielsweise. Dressing und zwei Toppings veredeln das Ganze. Wer möchte, wählt noch extra Proteine. Nüsse, Linsen, Samen und Nahrungsergänzungs-mittel stehen auch zum Mitnehmen bereit. In dem großen Regal sind auch das Kapuzenshirt mit dem Logo des Ladens sowie hübsche Klappkarten der Künstlerin zu finden, welche die Kunst an der Wand gestaltete. Nichts ist hier dem Zufall überlassen.

Doch halten diesem Anspruch auch die Produkte stand – in Coronazeiten für uns als Take-Away-Variante zu probieren? Gelingt die „Pause von den täglichen Essgewohnheiten“, so die Zielsetzung des Ladens? Die kalte „summerbowl“ mit cremig vermischten Mangos, Ananas, Datteln, Vanille, Passionsfrüchten und Basilikum und der scharfe Ingwershot sorgen für ein rundum gutes Gefühl – eine Art Frischekick.

Allergiker sind willkommen, denn alles im Angebot ist gluten- und lactosefrei. Auch auf Industriezucker wird verzichtet. Das Konzept kommt gut an. Seit der Eröffnung am 1. März brummt es – ein neuer Hot Spot für alle, die Lust auf Gesundes haben.

 

Superfoodz. Food is Medicine. Bar & Store, Gottschedstr. 6, 04109 Leipzig

Montag – Sonntag 10.00-18.00 Uhr

Shots ab Euro 2,50, Smoothies ab Euro 5,90, Bowls ab Euro 5,90

 

Eröffnung Moritz Götze – Was war, was ist, Galerie Irrgang, 06. März 2020

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Friedhelm Haak, ehemaliges Mitglied des Madsack Konzernvorstandes, begrüßt anlässlich der Ausstellungseröffnung „Moritz Götze – Was war, was ist“ in der Galerie Irrgang. Kurzweilig erläutert er seine vielfältigen Verbindungen zum Künstler, der 1964 in Halle geboren wurde und rasch als Vertreter der deutschen Pop Art Bedeutung erlangte. Seine Werke, deren historische Bezüge leicht zu entschlüsseln sind, finden sich in zahlreichen Museumssammlungen und in der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages.

Die ehemalige Frau Haaks, Mitinhaberin der Galerie Sandmann + Haak in Hannover, organisierte in den 90er Jahren Götzes erste Messebeteiligung auf der art cologne in Köln. Es folgte der Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung, den wiederum Friedhelm Haak initiiert hatte.

In der aktuellen Ausstellung sind farbenfrohe Öl- und Emaillearbeiten sowie Originalentwürfe zu seinem Keramikfries zu sehen, der den Lichthof des Leipziger Messehauses „Specks Hof“ ziert.

Bis zum 18. April 2020 kann die Schau Dienstag bis Freitag von 12-19 Uhr und Samstag von 12-16 Uhr besichtigt werden.

 

 

Konzert GRANDE VALSE BRILLANTE, Polnisches Institut, 25. Februar 2020

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Es gibt Konzertabende, deren Programm sich vielversprechend anhört.  In Kooperation mit dem Institut francais Leipzig veranstaltet das Polnische Institut Berlin, Filiale Leipzig, einen Liederabend zugunsten der Krakauer Sängerin Ewa Demarczyk und dem belgischen Chansonnier Jacques Brel, beide weltberühmt.

Umso angespannter wirken die beiden Sänger Kerstin Blodig und Uwe Neumann, die Bekanntes adaptieren und mit der Übersetzung ins Deutsche eine eigene Interpretation versuchen. Gepaart mit staksigen Bewegungen und grellem Bühnenlicht erklärt uns Neumann seinen Helden Brel, singt, schweigt und übergibt wieder an seine Kollegin, die  Demarczyk huldigt. Kurzum: Es will sich einfach keine wohlige Stimmung einstellen –  kein Verbinden mit der Musik, kein Mitschwingen der Zuhörer, auch wenn die Reihen gut gefüllt sind.

Phasenweise retten der Gitarrist Ian Melrose, der Klarinettist Jan Hermerschmidt und der Bassist Martin Lillich den Abend – immer dann, wenn gerade nicht gesprochen oder gesungen wird.

Ein Abend im „Maison Viet“ in der Gottschedstraße, 05. Februar 2020

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Schon lange ist die Gottschedtstraße ein teures Pflaster. Umso mehr erstaunen Größe und Ausstattung des vietnamesischen Restaurants „Maison Viet“: vier großzügige Fensterfronten, leuchtende Lampions, frische Blumen und Kerzen am Eingang, im Innenbereich mehr als 100 Plätze, Tische für jeweils mindestens sechs Personen, viel Holz, florale Fliesen, Pflanzen und Deko, soweit das Auge reicht. Sogar die WCs sind thematisiert. Schade nur, dass das alles irgendwie austauschbar wirkt und an das ähnlich inszenierte „Viet Village“ im Musikviertel erinnert. Unweit bieten „Inside Asia“ und „An Nam“ ebenfalls vietnamesische Küche, die wegen ihrer kolonialen Vergangenheit natürlich einen besonderen Reiz hat. Die Franzosen führten Kaffee und Baguette ein. Die Reisnudelsuppe auf Basis einer Rinderknochenbrühe – genannt Pho, das Kultgericht schlechthin – gab es immer schon. Klassisch mit Rind oder Huhn, finden wir sie sofort auf der Karte, wählen aber „wantan soup“ mit Teigblättern, Gemüse und Garnelen, abgeschmeckt mit Sesamöl und Koriander. Dazu kommen Frühlingsrollen aus geröstetem Reispapier und ein Thunfisch-Avocadosalat. Alles ist frisch und dekorativ angerichtet. Selbst aus dem Suppenschälchen ragt ein formvollendetes Salatblatt. Vietnamesische Küche ist mild. Wir greifen deshalb zu den Gewürzen auf dem Tisch. Ingwer- und Zitronengrastee munden vorzüglich. Das gegrillte Hähnchen vom Lavasteingrill, ergänzt durch knackiges Gemüse – Brokkoli, Brechbohnen und Salat – hätte etwas mehr Sauce vertragen können. Die Elemente wollen sich nicht recht verbinden. Breiig ist die Konsistenz der frittierten Reisküchlein am Tellerrand. Vermutlich soll das so sein. Je länger wir kosten und bleiben, desto mehr wünschen wir uns Kerzen auf den Tischen statt der hellen Deckenleuchten. Fazit: Wer in großer Gruppe unterwegs ist und schnell etwas aromatisch Frisches essen möchte, ist hier richtig. Für ein Date oder den besonderen Moment sollte es lieber ein anderer Ort sein.

Maison Viet, Gottschedstr. 4, 04109 Leipzig, Tel. 0341 94568949, Montag bis Sonntag von 11.00 – 23.00 Uhr

 

 

Salongespräch zum Neujahrsempfang, GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, 29.01.2020 um 19.00 Uhr

 

„Woonkamer: Museum der Zukunft“ nennt die Direktorin Léontine Meijer-van Mensch das neue Format des GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig. In Anlehnung an die Idee der Salongespräche möchte sie mit dem Publikum und ihren Mitarbeitern über neue Perspektiven für das Völkerkundemuseum sprechen – so die Ankündigung in der Einladung.

Großzügig schenkt die Direktorin farbigen Sekt nach, eilt wie eine flinke Kellnerin durch die Stuhlreihen und ist sichtlich bemüht, maximale Nähe herzustellen. Im Publikum sitzen Vertreter des Medienclubs Leipzig, Mitglieder des Förderkreises und  ihr Team. An der Wand findet sich das Projekt „Re-Inventing GRASSI 2023“ illustriert. Das ethnologische Museum wird in den nächsten drei Jahren umgestaltet und jeder kann sich beteiligen – anmelden, was er sich zukünftig von den einzelnen Instanzen wünscht – vom Objekt, dem Kurator und seiner Chefin, dem Vermittlungsteam bis hin zum Hausmeister.

Leider verheddern sich die Akteure des Abends in der Unschärfe der Einladung. Mal fühlt es sich an wie eine teambildenden Maßnahme für die Mitarbeiter – Arbeitsgebiete werden vorgestellt und die Verantwortlichen übertrieben eloquent von Meijer-van Mensch inszeniert, mal lauschen wir einem engagierten Förderkreismitglied, das die Sammlung in Vergessenheit geraten sieht bei all der Nabelschau und Neuerfindung des Museums, mal biedert sich ein fremder Multiplikator an, der auch zum neuen „Netzwerkmuseum“ dazugehören möchte.

Die steife Kinobestuhlung trägt dazu bei, dass einzig die Direktorin gut zu erkennen ist. Mit Entertainerqualitäten führt sie uns durch diesen Abend, dessen verschwommenen Ziele zum Veränderungsprozess des Hauses passen. Denn nur zu oft betont sie, dass Fehler gut seien, um daraus zu lernen. Für den nächsten Abend „Woonkamer: Museum der Zukunft“, der bereits Ende Februar stattfinden wird, wünschen wir uns zunächst – ganz schlicht – eine passende Bestuhlung.

 

Bäckerei und Konditorei Herzog in der Keilstraße, 22. Januar 2020

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Die seit dem 1. Januar eingeführte Kassenbonpflicht verpflichtet auch Bäckereien zum Ausdruck von Kassenbons. Zwar werden Brot, Brötchen, Gebäck und Kuchen eher selten umgetauscht, doch sind die Bons unumgänglich. Die Belegausgabepflicht versteht sich hier genauso als Maßnahme gegen Steuerbetrug – sprich das Beiseitelegen von Schwarzgeld, soll Transparenz ermöglichen und letztlich für mehr Steuergerechtigkeit sorgen.

Von dieser hehren Absicht findet sich in der Bäckerei und Konditorei Herzog keine Spur: Die circa 300 Kassenbons der letzten 1,5 Tage – genervt über einen ungenutzten Tresen in Nähe des Kassenbereichs geworfen – erscheinen als drohendes Mahnmal. Die Teamchefin erklärt: „Wir wollen damit darauf hinweisen, was dieses Ausdrucken der Kassenbons für uns bedeutet.“ Die Entsorgung erfolge derzeit als Sondermüll. Ob das richtig sei, wisse sie jedoch auch nicht so genau.

Schon jetzt gelten elektronische Belege als Mittel der Zukunft. Zumindest entfiele dann der Müll. Für einen mittelständischen Betrieb bedeutet die erforderliche Erneuerung des Kassensystems natürlich eine Großinvestition. Wer kleine Brötchen backen möchte, ist damit raus.

Premiere „Das Vorspiel“ im Passagekino, 15. Januar 2020

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Ein roter Teppich markiert den Eingang in den Kinosaal. Zusätzliche Absperrungen sorgen dafür, dass Regisseurin Ina Weisse und der Star des Abends, die Hauptdarstellerin Nina Hoss, rasch an Ort und Stelle sind. Denn Zeit haben die Beiden kaum. 90 Minuten später werden sie zur nächsten Premiere in Halle erwartet.

Das angekündigte Filmgespräch findet deshalb bereits vor dem Film statt. Entsprechend allgemein sind die Fragen der bemühten Gastgeberin und des irritierten Publikums. Banal plätschert es dahin. Im Film gehe es um eine Geigenlehrerin, die einen Jungen fördere, einen Ehemann habe sie auch und einen Liebhaber – so viel muss Ina Weisse vorab verraten. Nina Hoss habe Geigenunterricht genommen, da sie noch nie zuvor gespielt habe. Ein Handdouble kam schließlich zum Einsatz. Weisse nennt Drehorte, auch das Café Hentschel am Markt in Halle. Hoss antwortet auf die Frage, ob die Figur der Geigenlehrerin etwas mit ihr gemacht habe und sie danach eine andere geworden sei, in etwa: „Na ja, jede Rolle verändert mich irgendwie und macht etwas mit mir, diese sei besonders spannend gewesen.“ Ach ja?

Schade, dass die Regisseurin nach dem Film nicht zu sprechen ist. Gerne hätten wir ihr gesagt, dass Nina Hoss in den Filmen von Christian Petzold großartig ist. Weisses plumpes Drehbuch hingegen ist ein unnötiges Etwas, vermutlich sogar ein Ärgernis – zu offensichtlich die Zugeständnisse an existierende Fördermöglichkeiten: der französische Ehemann der Geigenlehrerin, ihre bilinguale Ehe samt Erziehung des Kindes – Motive, die zum Rest der Story nicht recht passen wollen, in Anbetracht der hohen Fördersumme der Deutsch-Französischen Förderkommission jedoch plausibel. Gleiches gilt für die Schauplätze in Berlin (Förderung durch das Medienboard Berlin-Brandenburg) und in Halle (Mitteldeutsche Medienförderung). Krampfhaft müssen auch diese Orte zusammengebracht werden und verschwinden letztlich in gesichtsloser Beliebigkeit. Für eine stimmige Wohnungskulisse reichte das Budget dann anscheinend gar nicht mehr. Immerzu schauen wir auf langweilige Ikea-Regale als Hintergrund, die uns an Studentenwohnungen der frühen 90er erinnern.

Was für eine vertane Chance: ein schlechter Film mit einer tollen Hauptdarstellerin! Nina Hoss hätten wir bessere Drehbedingungen gewünscht.