(smow) lädt zur Präsentation der Designliege „moon“, 10. Oktober 2019

 

Der interdisziplinären Forschungsgruppe für Materialgerechtes Entwerfen und Konstruieren mit faserverstärkten Kunststoffen (FOMEKK) an der Bauhaus-Universität Weimar, deren Mitglied Dr. Pamela Voigt war, verdankt sich ihre Begeisterung für Kunststoffbauten. Die Entwicklung setzte in den fünfziger Jahren ein und hatte ihren vorläufigen Höhepunkt in den Sechzigern. Prominentestes Beispiel ist sicherlich der „Futuro“ von Matti Suuronen aus dem Jahr 1968, noch heute in München zu besichtigen.

Die Pioniere des Kunststoffbaus, Buckminster Fuller, Heinz Hossdorf oder Heinz Isler, fanden medial viel Beachtung, kamen bei ihren Entwürfen in der Regel über Prototypen oder Kleinstserien jedoch nicht hinaus. Und spätestens nach dem Ölpreisschock in den siebziger Jahren waren die Produktionskosten für glasfaserverstärkten Kunststoff einfach zu teuer geworden.

Mit 6700 Euro ist die Designliege „moon“ ebenfalls kein Schnäppchen. Wer Voigts Ausführungen von der ersten Idee bis zum finalen Herstellungsprozess verfolgt, findet den Preis in Anbetracht der langen Entwicklungsdauer, erforderlicher Prototypen und zahlreicher Tests – noch dazu mit Untergestellen und Materialien – durchaus gerechtfertigt. Beim Verkauf von zehn Liegen wären die Entwicklungskosten wieder eingespielt.

Im Inneren der „moon“ liegt es sich geborgen und kuschelig. Nur das Aufstehen fällt schwer. Die Designliege ist derzeit bei (smow) ausgestellt und kann getestet werden.

 

Konzert mit der koreanischen Sologeigerin Ji-Hae Park, Leipziger Nikolaikirche, 09. Oktober 2019

 

Am 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution lädt die „Stiftung Friedliche Revolution 89“ zum kostenfreien Konzert in die Leipziger Nikolaikirche ein. Stargast ist die koreanische Sologeigerin Ji-Hae Park, die Werke von Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel u.a. auf ihre eigene Weise interpretiert – in diesem Falle modern.

Park, am Vortag erst eingetroffen, freut sich ganz besonders, in Leipzig zu sein. Begeistert sagt sie: „Die Hauptsache ist, ich spiele heute hier, wo alles angefangen hat.“ Musikalisch möchte Park über Korea reden, mindestens 100 Menschen gewinnen, die mit ihr zusammen alles Gute für Korea wünschen und sich gemeinsam zur Landschaftstour nach Korea aufmachen.

Wie das mit der Lichtinstallation von Victoria Coeln, den Bässen aus der Box und einer überaus quirligen Ji-Hae Park zusammengeht, erleben die Besucher ab 21 Uhr in der gut gefüllten Nikolaikirche.

Auf dem Augustusplatz werden derweil weitere Kerzen entzündet und die 89 bestaunt, welche die beleuchteten Fenster des Uniriesen bilden – mittlerweile ein Klassiker im Rahmen des Lichtfestes, das im Jahr 30 nach der Friedlichen Revolution federführend die Leipziger Tourist- und Marketinggesellschaft organisiert.

 

 

 

Café Bigoti, Burgstraße 1-5, 28. August 2019

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Mit leuchtenden Augen empfängt mich der Inhaber des Café Bigoti, Nikolaos Kostakopoulos, an legendärer Adresse. Dort, wo seit 1937 eine Buchhandlung mitchristlichem Profil existierte, dreht sich nun alles um hochwertigen Kaffee. Der 26jährige Betriebswirt verliebte sich in den hochgeschossigen Innenraum mit Empore sofort. Durchsetzen konnte er sich mit seinem Konzept: etwas besonders Schönes und Individuelles sollte in Leipzigs Zentrum entstehen – kein Mainstream, kein Franchise. Endlich einmal, möchte man sehr, sehr laut rufen!

Lang ließ die Baugenehmigung auf sich warten. „Addicted to coffee“ nennt sich das Motto des Cafés. Ein Espresso läuft genau 26 Sekunden durch. Darauf wird Wert gelegt. Einmalig sind die kalten Kaffeevariationen Freddo Esppresso oder Freddo Cappuccino. Dazu passt eine der köstlichen Schoko- oder Obsttorten aus der Lindenauer Konditorei Krüsmann. Der handgebrühte Filterkaffee bedient einen der jüngeren Trends. Alle Kaffees kommen aus der Plagwitzer Kafferösterei Brühbar Leipzig.

Auffallend ist die mediterran anmutende Inneneinrichtung: Holzboden, florale Muster und eine unverputzte Ziegelwand, dazu gemütliche Sessel und Sofas. Doch der erste Eindruck täuscht. Die Innendesignerin aus Griechenland verwirrte absichtlich. So sind am Boden Fliesen in Holzoptik, die scheinbaren Kacheln der langgestreckten Bar eine Tapete.

Am Abend steht ein überschaubares Angebot an Longdrinks, Weinen und Bier zur Auswahl. Wer lieber etwas ohne Alkohol mag, wählt die hausgemachte Limonade. An einem Wochentag gegen 18.30 Uhr sind sämtliche Plätze des Freisitzes besetzt. Sogar der Chefkoch des benachbarten Bachstübl schaut ab und an rein.

„Bigoti“ heißt auf Katalanisch übrigens Schnurrbart. Einen solchen trägt auch der Inhaber, gezwirbelt noch dazu. Möge sich sein Konzept, das auf Klasse statt Masse setzt, durchsetzen. Denn das Zentrum ist um eine gute Adresse reicher.

Kolonnadenstraße in Leipzig, 25. Juli 2019

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Nun sind sie auch in Leipzig angekommen – die Fahrräder mit den blauen Reifen. „Swapfiets“ heißen diese Fahrräder. Das ist nicht nur ein Trend in Sachen Fahrradgestaltung, sondern auch ein neues Konzept. Denn das Rad wird nicht gekauft, sondern für einen monatlichen Betrag von 17,50 Euro gemietet. Inbegriffen sind erforderliche Reparaturleistungen. Zum Monatsende kann der Vertrag unkompliziert gekündigt werden.

Die neue Idee spiegelt sich auch im Namen des Unternehmens wider. Das englische „to swap“ bedeutet „tauschen“. „Fiets“ ist niederländisch für Fahrrad.

Gar nicht neu – links im Bild – ist das „cornern“ in der Kolonnadenstraße. Angelehnt an englisch „corner“, erreicht das gemeinsame Beisammensein und Trinken an einer Straßenecke, in der beliebten Straße einen Höhepunkt mehr, wenn im benachbarten Kunstverein eine Ausstellung eröffnet.

Dank Späti kann zwischen Kunst, Verlag, Cafés und Fahrradladen auch an jedem anderen Abend gecornert werden. Die Anwohner tolerieren das bunte Treiben selbst nach 22 Uhr.

„Unnamed Road“ in Leipzig, 24. Juni 2019

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Google Street View nennt sie „Unnamed Road“. Wer vom Löhr´s Carré auf kurzem Wege den Westeingang des Hauptbahnhofs erreichen will, kennt die schmale Straße. Schön ist sie nicht. Links die Packstation und dahinter zu beiden Seiten in die Jahre gekommene Plattenbauten – ein neuer Bezahl-Parkplatz schräg dahinter.

Umso mehr erfreut der neue Spruch an der Tür: hic habitat felicitas – hier wohnt das Glück.

„Bohei & Tamtam“, Karl-Heine-Straße, 22. Juni 2019

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Die jährliche Parade der Werktätigen, die auch ein Forum für Fragen und Anliegen zur Stadtteilentwicklung sein soll, ist gerade beendet. Noch ist die Karl-Heine-Straße für den Autoverkehr gesperrt und nur die Straßenbahnen fahren.

Das Kunst-Markt-Fest „Bohei & Tamtam“ bietet neben einer Vielzahl von Präsentationsständen mit lokaler Handwerkskunst vor allem die Straße als Bühne. Tanz- und Musikgruppen stellen ihr Tun zur Schau und die Salsa-Gruppe ermuntert zum öffentlichen Mittanzen – südamerikanisches Flair im Leipziger Westen.

„Operating Track“, Thomas Taube in der Galerie REITER Leipzig, 13. Juni 2019

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Acht Beamer zeigen unterschiedliche Szenen, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Männer in Schutzanzügen arbeiten. Was genau sie tun, wird erst durch das anschließende Gespräch mit Thomas Taube deutlich. Sie entfernen Asbest. Seit 1990 ist die Verwendung von Asbest in Deutschland verboten, da die eingeatmeten Fasern Lungenkrebs verursachen können.

Asbest, ältester anorganischer Faserstoff, wurde das erste Mal 1872 abgebaut. Im selben Jahr gelang es dem Fotografen Eadweard Muybridge, Serienfotografien eines galoppierenden Pferdes anzufertigen. Endlich war zu erkennen, ob und wie die Hufe eines Pferdes im Galopp in der Luft stehen.

Taube interessiert sich für Phänomene, die da, aber nicht zu sehen sind. Diese möchte er in einem System seh- und erfahrbar machen.

Eröffnung des Festivals X SPINDELN, Lofft in der Halle 7 der Leipziger Baumwollspinnerei, 13. Juni 2019

 

Irina Pauls sagt nach der Premiere ihres Tanzstücks „LABORA“, dass ihr die Eindrücke des Publikums besonders wichtig seien. Bei über 30 Grad erleben die Zuschauer die drei jungen Tänzerinnen – eine muskulös und sehnig durchtrainiert in engem Top, die zwei anderen in weiten T-Shirts, vom Typ her etwas weicher. Auch das sei wichtig, dass wir die unterschiedlichen Charaktere wahrnähmen, so Pauls.

Schon aufgrund der hohen Temperaturen bewundern wir die tänzerische Leistung im nicht klimatisierten Bühnenraum. Das Thema – die stumpfsinnige Bedienung der Maschinen – passt zur thermischen Herausforderung des Abends. Irgendwann verschwimmen Menschen und maschinelles Tun. Die Schlußszene zeigt die drei als Hipster mit bunten Tennnissocken vor ihren Apfelrechnern. Die von der Decke hängende Garnrolle dient dabei als Klammer zwischen Gestern und Heute.

Die Installation „FABRIK DER FRAUEN“ von Diana Wesser montiert Erinnerungsstücke und Fotos. Kittel und Schürzen hatte auch schon Pauls für ihre Inszenierung genutzt.

Beide Arbeiten beobachten und beschreiben Vergangenheit und Gegenwart der Arbeitsbedingungen auf der Spinnerei. Der Blick in die Zukunft fehlt, so dass dem Thema „Industriekultur“ letztlich keine neue Facette hinzugefügt wird.

 

„Liebesfilm“: Preview mit anschließendem Gespräch, Passagekino, 04. Mai 2019

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Robert Bohrer entschuldigt sich bereits vor dem Film, dass Emma Rosa Simon nicht mitgekommen sei. Das gemeinsame Kind habe sie nicht gehen lassen. Auch nach dem Film wird es persönlich. Die Geschichte des herumeiernden Lenz, der Ira liebt, aber sich auf eine gemeinsame Familienplanung nicht festlegen möchte, das sei nicht seine.

Dennoch seien viele Details der Liebesgeschichte mit Emma entlehnt. So haben auch sie sich in der Nacht kennengelernt, in der Osama bin Laden erschossen wurde. Auch sie saßen an einem Feuer. Viele Szenen wurden im Schlafzimmer der beiden gedreht – vor allem aus Kostengründen.

Überhaupt: Einen Liebesfilm zu drehen, sei heute ja eher uncool. Der Arbeitstitel wurde dann auch zum Filmtitel, obgleich die Redaktion abriet. Vor allem deshalb, weil sich „Liebesfilm“ schlecht googlen lässt.

Der Kapitän der gesunkenen Costa Concordia spielt im Film ebenfalls eine Rolle. „Was ist das dünnste Heft der Welt?“, fragt Bohrer in’s Publikum. „Das mit italienischen Heldengeschichten“, antwortet er später. Zum Kapitän spüre er eine Verbindung. Er habe gehandelt wie vermutlich 90% der Menschheit: Er hatte einfach Angst.

Schnell wird klar, dass der Film voller persönlicher Details ist. Bohrer erzählt davon kumpel-, fast jungenhaft, ohne jegliche Distanz. Dies alles anzuhören, kann interessant sein. Zwingend ist es nicht, um den Film zu verstehen. Denn dieser überzeugt vor allem durch seine herausragende Protagonistin Lana Cooper, den rasanten Schnitt und gute Musik. „Liebesfilm“ ist absolut sehenswert.